Grüne Ideologie lässt Menschen hungern

Es gibt Meldungen, die gehen in der allgemeinen Informationsflut unter. Zu dieser Kategorie gehört die Nachricht, dass die weltweite Getreideernte den Verbrauch nicht deckt, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahrzehnt. Im Agrarjahr 2018/2019 werden demnach 30 Millionen Tonnen mehr verbraucht als geerntet werden. Die Erntemenge beläuft sich auf 2,66 Milliarden Tonnen Getreide.

Nun kann man sagen: Die Fehlmenge ist ja nachrangig, ein paar Stellen hinter dem Komma. Aber das Signal ist doch deutlich: Bei zunehmenden Dürrejahren wie dem letzten und angesichts der ganz sicher rasch wachsenden Weltbevölkerung bekommen wir ein großes Problem. Hierzulande, im überernährten und im Übrigen reichen Westeuropa, nehmen sich die Folgen noch bescheiden aus: Während bei den anderen Lebensmitteln Preissteigerungen kaum feststellbar waren, sind in den ersten Monaten dieses Jahres die Erzeugerpreise für Brot und Getreideerzeugnisse um mehr als sechs Prozent gestiegen. Wir können uns das leisten.

Anders sieht die Lage schon in Afrika aus, südlich der Sahara: Dort wachsen Hunger und Mangelzustände, die uns nicht tatenlos bleiben lassen dürfen. Aber was tut Deutschland? Es befördert eine ideologisch betriebene Energiewende, bei der erhebliche Teile der Agrarflächen für nachwachsende Rohstoffe wie Mais und Raps genutzt werden, hauptsächlich zur Energieerzeugung – Wärme, Strom, Kraftstoffen. 2016 waren das in Deutschland 2,7 Millionen Hektar, das sind 16 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche.

Das ist ein ethisch unvertretbarer Missbrauch unserer Agrarflächen, aus zwei Gründen: Zum einen sollten diese Flächen angesichts der Welternährungsprobleme für Nahrungsmittel zur Verfügung stehen und nicht zur Abfederung einer miserabel organisierten Energiewende. Zum zweiten werden diese Flächen meist monokulturell und mit hohem Düngemitteleinsatz bebaut, was die Böden verdirbt und das Grundwasser gefährdet.

Die Probleme der Welternährung verweisen auf ein weiteres Problem: Die vor allem deutsche Abneigung gegen genveränderte Pflanzen. Zwar wurden Pflanzen durch spezielle Züchtungen schon seit Jahrhunderten verändert. Deshalb ist der organisierte Widerstand gegen neue Technologien für dieser Genveränderungen irrational. Er hat seinen Schaden schon angerichtet und dazu geführt, dass sich die einschlägige Forschung aus Deutschland verabschiedet hat. Dabei ist klar: Ohne solche Gen-angepasste und schädlings- und trockenheitsresistente Pflanzen werden wir das Ernährungsproblem künftig nicht in den Griff bekommen. Ethisch ist der Widerstand dagegen unvertretbar.

Deutlich wird hier: Was uns als „grüne Politik“ verkauft wird, ist tatsächlich häufig eine Politik gegen die Menschen. Erforderlich ist es, Natur so umzugestalten, dass sie zukunftsfähig bleibt und zugleich die Menschen, die in dieser Welt leben, ernähren kann. Aber das müssen die grünen Ideologen aller Parteien erst noch lernen.

Europa findet wieder Zustimmung

Ist Europa in Gefahr? Vor allem die Folgen der Flüchtlingskrise haben die Mitglieder der Europäischen Union auseinandergetrieben, von Solidarität war da nicht viel zu spüren. Verteilt wurde eben nicht, wie gewohnt, Geld – zu verteilen waren kulturelle Einflüsse aus den Herkunftsländern der Migranten, also ein „Fremdheitspotential“.

Das wollten sich einige Staaten – vor allem im Osten der EU – nicht zumuten. Aber nicht immer war es nur die kulturelle Überfremdungsangst. Vielmehr hat der Umstand, dass die Pro-Kopf-Einkommen im EU-Osten oder -Süden noch viel niedriger ausfallen als im reichen EU-Westen, bei den Menschen eher das Gefühl entwickelt, ihnen werde durch die Aufnahme von Flüchtlingen etwas weggenommen. Nationalisten haben sich das zunutze gemacht: In Ungarn, Polen, Italien und anderswo, auch in Deutschland, haben sie auf dieser politischen Klaviatur erfolgreich gespielt und Europa und die EU zu einem Feind stilisiert, der ihre nationalen Kultur rauben und ihre Eigenständigkeit hinwegnivellieren wolle.

Im Deutschland liegt die AfD den Wählern mit solchen Botschaften in den Ohren. Aber sie findet mit ihren Euro-Skeptizismus offenbar wenig Anhänger, im Gegenteil: Seit Jahrzehnten nicht waren die Deutschen derart europageneigt. 56 Prozent der Wähler interessieren sich schon jetzt für die Europawahl in zwei Wochen, fast 20 Prozent mehr als beim letzten Urnengang vor fünf Jahren. Nur zehn Prozent empfinden, mit unserer EU-Mitgliedschaft seien überwiegend Nachteile verbunden. Das ist die beste Beurteilung der EU-Mitgliedschaft, die das Wahlvolk der EU jemals ausgestellt hat.

Die erstaunlichste Zahl aber ist diese: 66 Prozent der Deutschen sprechen sich für einen engeren Zusammenschluss der Mitgliedstaaten aus, nur 20 Prozent fordern eine größere Eigenständigkeit. Das ist nicht nur ein gewaltiger Vertrauensvorschuss, hier schlägt sich auch konkrete Alltagserfahrung nieder. Mag man auch manches kritisieren können, so spüren die Menschen doch, dass Europa als Lebens- und Wirtschaftsraum zusammengehört und so viel kulturelle Gemeinsamkeiten aufweist, dass sich darauf eine Gemeinschaft stabil aufbauen lässt. Und je jünger die Befragten sind, umso stärker stehen sie zur europäischen Idee.

Mit diesem Pfund sollte die europäische Politik sorgsam umgehen. Nichts überstürzen, evolutionäre Weiterentwicklung, auch Rückverlagerung von Kompetenzen, die sich auf europäischer Ebene nicht bewährt haben. Es bleibt: Europa ist eine in Deutschland stabile Idee, die Mehrheit der EU-Europäer sieht das im Übrigen genauso. Das gibt Hoffnung, dass die Zerfallserscheinungen ein Ende finden in der Erkenntnis, dass Europa bisher für alle eine große Dividende gewesen ist: Friedenspolitisch ebenso wie wirtschaftspolitisch, aber eben auch kulturell. Es ist ein gutes Gefühl, Europäer zu sein.

Brennstoffzelle vor dem Durchbruch

Die zwei Meldungen kamen an einem Tag: „Startschuss für die europäische Batteriezelle“ war die erste überschrieben: Die deutsche und die französische Regierung haben bei der EU beantragt, eine Fabrik für Batteriezellen fördern zu dürfen, die ein Konsortium aus dem französischen Autoproduzenten PSA, seiner deutschen Tochter Opel und dem französischen Batteriehersteller Saft errichten wollen. Für eine solche europäische Fabrik wird es auch hohe Zeit, nachdem sich asiatische Hersteller hier einen fast uneinholbaren Marktvorsprung gesichert haben. Und Abnehmer wird es genug geben: Kleine Autos mit kleinen Radien und geringer Kilometerleistung, also etwa solche nur für den Stadtverkehr, sind mit batterieelektrischem Antrieb gut bedient, weshalb sich VW dem Bekunden nach auf diese Antriebsart fokussieren will.

Anders sieht es bei größeren Fahrzeugen aus mit hohen jährlichen Fahrleistungen, insbesondere im Nutzfahrzeugbereich. Da ist – so zeigen es alle Berechnungen – batteriebetriebe Elektromobilität so gut wie unmöglich. Ein kleiner Zahlenvergleich verdeutlicht das: Ein Lastzug mit 9,5 Tonnen bräuchte für 100 Kilometer die Leistung einer 200 Kilometer schweren Batterie – für 500 Kilometer also das Fünffache. Oder, auf einen kleineren Pkw gerechnet: 100 Kilometer benötigen 100 Kilogramm Batterie – aber nur ein einziges Kilo Wasserstoff aus einer Brennstoffzelle. Dann wird klar: Hier, beim Wasserstoff, liegt die Antriebsart der Zukunft.

Deshalb lässt die zweite Meldung aufhorchen: „Bosch setzt auf die Brennstoffzelle“. Gemeinsam mit dem hier schon erfahrenen schwedischen Hersteller Powercell wird die Brennstoffzellenmobilität von Bosch serienreif entwickelt. Nicht irgendwann, ganz schnell: Bis 2022 soll die Markteinführung zunächst für Lkw gelingen. Bosch sichert sich damit einen weltweiten Marktvorsprung und wird das mit seiner Fähigkeit, Technologien zu skalieren, auch durchsetzen. Nebenbei werden damit auch die noch zu hohen Kosten der Wasserstofftechnologie gesenkt werden. Und für andere Unternehmen, etwa für die Energiekonzerne, wächst der Anreiz, sich in großem Stil in die Wasserstoffproduktion zu begeben. Schließlich wird die Ankündigung von Bosch auch dazu führen, dass ein dichtes Netz an Wasserstoff-Tankstellen entsteht: Auch für den Privatkunden und ihre Pkw wird das interessant. So hat BMW sich bewusst technologieoffen gehalten, auch dort liebäugelt man mit der Brennstoffzelle. Erst, wenn sie durchgesetzt ist – in der Mobilität wie auch in der heimischen Energieversorgung – wird die Energiewende gelungen sein, die gegenwärtig noch mit erheblichen Risiken behaftet ist.

Nicht ohne Grund haben die großen, häufig stark energieabhängigen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen eben einen „Stresstest“ für die Stromversorgung gefordert, weil sie bei gleichzeitigem Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft um die Stromnetz- und Versorgungssicherheit fürchten. Hinzu kommt, dass von den 7700 Kilometern an neuen und auszubauenden Stromtrassen erst 1750 Kilometer genehmigt und davon erst die Hälfte gebaut sind. Das ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, der nach außergewöhnlichem politischen Handeln ruft: Infrastruktursicherheit muss rasch und ohne lange Umweltdebatten und Rechtsverfahren gewährleistet werden können.

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