Vom Stolz auf die deutsche Sprache

Wer Kinder im schulpflichtigen Alter hat, der kann ein Klagelied singen über den schulischen Umgang mit der deutschen Sprache. Seit Soziologen und ihnen geneigte Politiker den Germanisten sagen, wo es langzugehen hat, sind die Lehrpläne vieler Bundesländer ideologisiert.

Ausgangspunkt ist die Entdeckung, dass Sprache nicht nur pragmatisch notwendig ist, eine Sozialisationsfunktion hat und Teilhabe am kulturellen Formungsprozess einer Gesellschaft ermöglicht. Sie lässt sich auch als Herrschaftsinstrument begreifen – wer eine Sprache korrekt und elegant zu gebrauchen weiß, bringt es weiter als andere. Wer beispielsweise „Rhythmus“ richtig schreibt, der setzt sich bei diesem „Differenz- und Modellwort“ von anderen ab. Das ärgert all jene, denen solche sprachliche Feinheiten fehlen.

Die logische Konsequenz der deutschen Bildungspolitik war nicht etwa, alle Schüler durch pädagogische Anstrengung von Schule und Eltern und durch regelmäßiges Lesen auf das bestmögliche orthografische Niveau zu bringen – vielmehr hat man das Niveau des Sprachunterrichts auf den kleinsten gemeinsamen Nenner gesenkt. Mehrere „Rechtschreibreformen“ legen davon Zeugnis ab.

Die Vernachlässigung der variantenreichen und eleganten deutschen Sprache macht aber bei der Orthografie nicht halt. Vielmehr haben auch diverse Ethnolekte Karriere gemacht, Fachleute nennen sie auch „Ghetto-Slang, Türkenslang, Türkendeutsch oder Kiezdeutsch“. Aber auch hier: Sofort eilen Linguisten herbei, um solches Sprachgemetzel nicht etwa als barbarische Untat zu brandmarken, sondern als Bereicherung und besonders kreativen Umgang mit der deutschen Sprache zu rühmen.

Kann eine Mahnung von außen helfen? Yngve Slyngstad ist Chef des norwegischen Staatsfonds, eines der größten Investoren der Welt. Er gab jetzt diese Sätze zu Protokoll: „Ich glaube, die Deutschen sind nicht stolz genug auf ihre Sprache. An Heideggers Ausspruch, nur Deutsch und Griechisch seien fürs Philosophieren geeignet, ist vielleicht doch etwas dran. Ich glaube jedenfalls nicht, dass es ein Zufall ist, dass es in der Vergangenheit so viel deutsche Denker und Komponisten gab. Oder in der Gegenwart, dass die Deutschen so einzigartig gute Maschinen und Motoren bauen. Die Komplexität ihrer Sprache bereitet sie genau darauf vor.“

Vielleicht sollten sich unsere Kulturpolitiker einmal mit dem Norweger unterhalten. Da können sie mehr lernen als im herrschaftsfreien Diskurs mit Sozio- und Ideologen

Flüchtlingspolitik: Die Zeit läuft ab

Der Zustand der Europäischen Union und damit Europas ist besorgniserregend. Die Gemeinschaft erodiert von außen und von innen. Von außen, weil es machtvolle Interessen gibt, die allein kraftspendende Einheit der Europäischen Union auseinanderzudividieren. Vor allem Russlands Präsident hat es sich als Rache an der in der Ukraine-Frage zu Recht unerbittlichen deutschen Kanzlerin zur Aufgabe gemacht, sie und ihre Politik mit einer großdimensionierten Desinformations-Kampagne zu überziehen, an der sich als Journalisten getarnte russische Propagandaknechte (auch solche, die in russischen Medien in Deutschland sitzen) beteiligen.

Tragischer ist die Erosion von innen. Jahrzehntelang haben sich die EU-Mitglieder daran gewöhnt, die Profite der gemeinsamen Politik, gemeinsamer Rechts- und gemeinsamer Währungsräume einzustreichen, ohne sich um die aus der Gemeinsamkeit erwachsenden Verpflichtungen zu kümmern. So war immer klar, dass die Gegenleistung für finanzielle Solidarität ein sparsames Wirtschaften in den nationalen Haushalten sein muss. Immer lag offen, dass man die Binnengrenzen der EU nur niederreißen kann, wenn man ihre Außengrenzen wirkungsvoll sichert. Und zu den Mitgliedsbedingungen gehörte auch, den einheitlichen Rechtsrahmen der EU durch einen verlässlichen, korruptionsfreien und demokratischen Rechtsrahmen in den einzelnen Mitgliedsländer zu ermöglichen.

Das alles hat nicht funktioniert. Die Außengrenzen der EU sind löchrig, die Haushaltsdisziplin vieler Mitglieder der EU und des Euro-Raums marode, das Rechtsregime einer zunehmenden Zahl von Mitgliedern vor allem im Osten undemokratisch und anfällig für politische sowie finanzielle Korruption. Zugleich wächst beinahe überall der auch politisch prävalente Wille, die nationalen Interessen den europäischen Gesamtinteressen nicht mehr unterzuordnen. Ungarn, Polen, schon lange Großbritannien, Belgien, die Niederlande, die skandinavischen Länder, auch Italien, Frankreich, künftig verstärkt Spanien und Portugal – die deutsche Politik ist in ihrer Europa-Zentriertheit vereinsamt.

Diese besondere Zähigkeit, den europäischen Zusammenhalt hochzuhalten, ist für Deutschland alternativlos. Kein Land liegt zentraler, keines ist wirtschaftlich mächtiger, keines versammelt mehr Nachbarn um sich. Deutschland ist insofern die Zentralmacht Europas, die sich Abgrenzung und Sonderwege am wenigsten leisten kann, will man nicht Europas Frieden gefährden.

Eine solchen Sonderweg haben wir aber mit der Flüchtlingspolitik eingeschlagen, die zu lange auf unbegrenzte Aufnahme und zu wenig auf Kontrolle und Unterscheidung in Kriegs- und Wohlstandsflüchtlinge an den Grenzen setzte. Das kommt Deutschland nicht nur materiell, innen- und sicherheitspolitisch teuer zu stehen, auch innerhalb der EU haben wir uns mit dieser Politik der Selbstaufgabe nationaler Interessen isoliert. Die Zeit, das zu korrigieren, läuft ab. Im Ergebnis werden Deutschland und Europa schweren Schaden genommen haben, wenn die Korrektur nicht schnellstens erfolgt.

Flüchtlinge, grenzenlos

Es ist ein einfacher Satz, den der ehemalige Richter am Bundesverfassungsgericht, Udo di Fabio, eben in einem Gutachten für die Bayerische Staatsregierung aufgeschrieben hat: „Das Grundgesetz setzt die Beherrschbarkeit der Staatsgrenzen und die Kontrolle über die auf dem Staatsgebiet befindlichen Personen voraus.“

Beides ist nicht mehr gegeben. Weder lässt sich bei einer Mehrheit der Flüchtlinge, die täglich ins Land strömen, feststellen, wer sie wirklich sind und woher sie kommen. Noch weiß man, wo sich die Mehrzahl derjenigen aufhält, die schon in Deutschland sind. Das ist (bei einer Million aufgenommener Migranten allein 2015) eine Katastrophe.

Es handelt sich um einen unerhörten Kontrollverlust, einen Zusammenbruch staatlicher Souveränität und des staatlichen Sicherheitsversprechens an seine Bürger. Mit mangelnder Menschlichkeit oder gar Ausländerfeindlichkeit hat es nicht zu tun, wenn die Mehrzahl der Deutschen (und auch der Unions-Anhänger) dies nicht länger hinnehmen will.

Dafür gibt es gute Gründe. Zum einen macht die Aufnahme von Migranten nur Sinn, wenn eine vernünftige Integration garantiert werden kann. Das ist ohnehin jetzt schon eine nicht zu bewältigende Aufgabe, da die Migranten zu großen Teilen aus anderen Sprach- und Kulturkreisen kommen und entsprechend ausgebildetes pädagogisches Personal gar nicht zur Verfügung steht. Zum anderen bedeuten jene, die sich innerhalb unseres Landes staatlicher Registrierung und damit der Integration entziehen, ein Sicherheitsrisiko, das auch schon sichtbar geworden ist. Und schließlich besteht eine offen zugegebene Unfähigkeit der Behörden, abgelehnte Asylbewerber wieder in ihre Herkunftsländer zurückzuführen.

Kein Wunder, dass sich die CDU-Spitzenkandidatin in Rheinland-Pfalz, Julia Klöckner, dem Abwärtssog ihrer Partei zu entziehen sucht. Ihre Forderung nach täglichen Flüchtlings-Höchstzahlen ist eine Absage an Frau Merkels grenzenlose Flüchtlingspolitik. Der Vorschlag Klöckners verlagert den Migrationsdruck auf Österreich, das ihn wiederum nach Süden weitergeben wird, immer entlang der Balkanroute. Am Ende steht Griechenland, das offenkundig mit der Sicherung der EU-Außengrenze überfordert ist, weshalb Österreichs Überlegung, Griechenland aus dem Schengen-Raum herauszunehmen, nicht von der Hand zu weisen ist. Mazedonien hat deshalb seine Grenzen nun geschlossen.

Klar ist auch: Die Flüchtlinge, die jetzt kommen, suchen in großer Mehrheit ein wirtschaftlich besseres Leben. Deutschland allein kann das all jenen in der Welt, die wirtschaftlich nicht so gut gestellt sind, nicht bieten. Selbst eine EU-Lösung garantierte das nicht.

Deshalb bleibt nur: Die Grenzen hart sichern und nur, aber selbstverständlich jene, genau kontrolliert, hereinlassen, die in ihren Herkunftsländern um ihr Leben fürchten müssen oder die nach den Maßstäben einer geregelten Einwanderungspolitik für Deutschland von Nutzen sind. Andere westliche Länder machen das genau so, und so sieht es auch das Bundesrecht vor, und das Völkerrecht widerspricht dem nicht.

Daran muss sich auch die Regierung in Berlin halten. Durch ein Wort der Kanzlerin allein jedenfalls kann dieses Recht nicht geändert werden.

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