31. Oktober 2020

Kirchenaustritte – was nun?

In diesen Tagen ist in der katholischen Kirche – wie auch der evangelischen – guter Rat teuer. Denn erneut sind die Austrittszahlen gestiegen, 216 000 Menschen haben 2018 die katholische Kirche verlassen. Die Zahlen, um 50 000 höher als im Jahr zuvor, sind nach der Selbsteinschätzung der Bischofskonferenz, das Ergebnis von „Entfremdungsprozessen“, „Vertrauensverlust“ und verspielter Glaubwürdigkeit. Das ist schwer aufzuholen.

Umso mehr Hoffnung setzen Bischöfe wie Laien auf den „Synodalen Weg“, mit dem die Katholiken in Deutschland in den nächsten Monaten und Jahren einen Ausweg aus der Lage finden wollen. Denn immerhin: Die Katholiken machen noch fast 28 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, das sind mehr als 23 Millionen Menschen. Gesellschaftspolitisch ist das keine Kleinigkeit, und es sind Menschen, die katholisch sind nicht wegen oder trotz schwerer Verfehlungen mancher Vertreter ihres hiesigen Personals, sondern weil sie an die Botschaft Jesu Christi glauben.

Der synodale Weg wird daher für die Geschichte der katholischen Kirche nicht nur in Deutschland ein bedeutender Meilenstein sein. Vorsorglich hat Papst Franziskus geraten, alle Beschlüsse im Interesse der ganzen Weltkirche zu bedenken. Aber klar ist auch: Es muss sich Wesentliches ändern, wenn es besser werden soll. Dazu gehört die Machtfrage: Also auch die Frage nach den Weiheämtern für Frauen, nach der Ehelosigkeit von Priestern, nach der Verteilung der Gelder innerhalb der Kirche.

Jeder weiß, dass die Abschaffung des Zölibats oder ein Priesteramt für Frauen kein Problem endgültig löst, das wäre keine Garantie für einen Wiederanstieg der Zahl von Priestern. Aber es sind Hindernisse auf dem Weg zu den wirklich entscheidenden Fragen der Glaubwürdigkeit der Kirche, zu denen man nur durchdringen kann, wenn diese Steine aus dem Weg geräumt sind. Denn die Perspektiven sind trübe: Die Zahl der Priester sinkt rapide, Nachwuchs ist kaum in Sicht, schon bald stehen die Gläubigen weitgehend ohne Priester da, mit allen Folgen für ein aktives Gottesdienst- und Gemeindeleben, die schon gegenwärtig überall drastisch zu spüren sind. Klar ist: So kann es nicht weitergehen.

„In den Bistümern steht die große Frage obenan, wie wir Menschen eine Lebenshoffnung und Perspektive aus dem Glauben vermitteln und ihnen eine Beheimatung in der Kirche geben können“, sagt der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Beheimatung kann es ohne Glaubwürdigkeit nicht geben. Und glaubwürdig wird die männerdominierte Kirche erst, wenn sie die Diskriminierung der Frauen in ihren Reihen auflöst.

Deshalb sind die Erwartungen an den demnächst beginnenden „synodalen Weg“ auch hoch. Seine Ergebnisse sollten mutig sein. Nicht alles wird sich unmittelbar umsetzen lassen – die Beschlüsse können aber eine signalhafte Wirkung in die Weltkirche haben, in der andere Teile längst auf ein neues „Aggiornamento“, eine Anpassung ihrer Kirche an die gesellschaftliche Wirklichkeit, warten. Also müssen alle zusammenstehen. Nur dann kann es gelingen, die Zerfallsprozesse der Kirche aufzuhalten.

Ist Trinkwasser knapp?

Seit Jahren macht eine kleine Bürgerinitiative in der nördlichen Lüneburger Heide Front gegen die Abgabe von Trinkwasser aus dieser Region an die Stadt Hamburg. Sie gaukelt den Menschen vor, das Trinkwasser sei knapp und werde für die Heide selbst gebraucht, Hamburg solle sich mit weniger begnügen.

Tatsache aber ist: Die Heide verfügt über ausreichend Wasserressourcen, um auch die Hamburger zu ernähren, die von dort – mangels Alternativen – etwa 14 Prozent ihres Wasserbedarfs decken. Alle Fachgutachter sind sich da einig. Die Bürgerinitiative aber lässt nicht locker und will nun gar das Verbandsklagerecht missbrauchen, um Hamburg eins auszuwischen.

Hier wie anderswo: Dahinter stehen politische Interessen. Den einen bringen solche Kampagnen ins Bürgermeisteramt, den anderen in Landes- und Bundesparlamente. Wer heute politisch reüssieren will, der muss nur Ökokatastrophen an die Wand malen und sich als Retter präsentieren: Das zieht, denn der Normalbürger weiß es ja nicht besser..

Nun hat auch das Umweltbundesamt in den apokalyptischen Chor eingestimmt: Es sei nicht auszuschließen, dass es eines Tages auch in Deutschland einen Kampf ums Wasser gebe. Auszuschließen ist für die Zukunft bekanntermaßen nichts. Sorgfältige Analyse aber gibt eine solche Aussicht nicht her. Denn weder ist die jährliche Neubildung an Grundwasser gesunken noch irgendwo in Deutschland Wasserknappheit aufgetreten. Jedes Jahr sind in Deutschland 188 Milliarden Kubikmeter Wasser verfügbar. Davon werden gerade mal 18 Prozent für die Wasserversorgung genutzt. Der Rest bleibt ungenutzt und fließt in die Flüsse und Meere ab.

Auch gehen die Deutschen mit ihren Wasservorräten sehr sorgsam um. 312 000 Liter werden pro Kopf in Deutschland von Haushalten, Industrie und Landwirtschaft verbraucht. In den USA hingegen beträgt der Pro-Kopf-Verbrauch 1,6 Millionen Liter, ein Vierfaches des Verbrauches in China. (443 000 Liter). Man sieht: Sparmöglichkeiten gibt es noch weltweit.

Jeder zweite Deutsche trinkt täglich Leitungswasser. Das ist in Deutschland vollkommen unbedenklich. Wasser aber sorgsam zu nutzen, empfiehlt sich ohnehin, gerade kleinere Flüsse können einen guten Wasserstand brauchen. Verschwendet wird es in Deutschland in großem Maße ausgerechnet durch die so genannte „Energiewende“: Die riesigen Felder mit Mais, die als Energiepflanzen anschließend verfeuert oder zur Gaserzeugung genutzt werden, benötigen nicht nur viel Düngung (die das Grundwasser verschmutzt), sondern ausnehmend viel Bewässerung. Das ist glatter und ethisch unverantwortlicher Missbrauch von Trinkwasser und Ackerboden, gegen den sich die Umweltbewussten der Nation wehren sollten.

Wie weiter, CDU?

Die CDU tut gegenwärtig alles, um die eigenen Reihen nicht von der Unruhe der SPD infizieren zu lassen. Auf die Frage nach den Eventualitäten der Zukunft – Neuwahl? Kanzlerkandidat(in)? Jamaika? – heißt es nur, Originalton CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer: „Sie können davon ausgehen, dass die CDU für alles, was möglicherweise kommt oder nicht kommt, vorbereitet ist.“

Das liegt, vorsichtig gesagt, ein wenig neben der Wahrheit. Da wäre zunächst die Möglichkeit vorzeitiger Neuwahlen. CDU-Vize Armin Laschet hat wohl Recht, wenn er dieser Koalition aus SPD und CDU nur noch eine gesicherte Lebenszeit bis zum Herbst gibt, ein paar Vorhaben des Koalitionsvertrages sollen bis dahin noch Gesetz werden, das Einwanderungsgesetz etwa oder die Pflegeverbesserungen. Aber die inneren Erschütterungen der SPD werden ja weitergehen, und sie führen gewiss, aus größter programmatischer Verzweiflung, zum SPD-Ausstieg aus dieser Koalition (obwohl die SPD mit ihren Projekten hoch erfolgreich gewesen ist). Was dann? Dass die CDU auf einen rasch einsetzenden Wahlkampf in keiner Weise vorbereitet ist, lässt sich an einigen Punkten festmachen.

Erstens ist ihre politische Kommunikation hoch defizitär. Sie versteht es nicht, die heute präsenten Instrumente der politischen Kommunikation ertragreich einzusetzen. Wenn mehr als 30 Millionen – vorwiegend jüngere – Deutsche per Facebook kommunizieren und sich dort informieren, dann ist das nicht mehr vernachlässigbar. Offen ist auch die Frage, wer die einschlägigen Botschaften transportiert. Auf diese Botschafter aber kommt es ganz wesentlich an, wer in den sozialen Medien bestehen will, muss besonders frisch in der Diktion, klar und ehrlich in der Sache, glaubwürdig in der Person und charismatisch sein. Wen hat die CDU da zu bieten? Mit Matthäus 22:14 könnte man sagen: „Viele fühlen sich berufen, aber nur wenige sind auserwählt.“

Vor allem aber: Die Botschaften der CDU selbst sind ganz undeutlich. Bei seiner Klausur am Wochenende hat der Vorstand der Partei die Frage erörtert: „Wie wollen wir in 20 Jahren leben?“ Ja, wie? Den Wohlstand wollen die Menschen unbedingt, aber sie wollen auch: Energie ohne Kernkraft, Kohle und Erdgas; eine nachhaltige Industrie, nachhaltige Wirtschaft, nachhaltige und ökologisch gewendete Landwirtschaft; Mobilität ohne Umweltprobleme; eine perfekte digitale Infrastruktur; soziale Gerechtigkeit durch umfangreiche Sozialleistungen; innere und äußere Sicherheit. Kurz: Ein perfektes Leben ohne Umweltkosten und Risiko. Und alles möglichst schnell. Wofür von all dem hat die CDU wirklich schon Rezepte? Worauf ist sie im AKK-Sinne „vorbereitet“?

Dann ist da noch das Kanzlerkandidaten-Problem. Der Widerstand gegen Frau Kramp-Karrenbauer nimmt zu, bei der Jugend kommt sie mit ihrer formelhaften Rhetorik nicht an, die bürgerlichen Wähler schauen ihr ein wenig ratlos zu und die Wirtschaft verspricht sich nichts von ihr und prüft vielerorts den Absprung aus Deutschland. Die Suche nach Alternativen ist im Gange, und es ist nur eine Frage der Zeit, bis das offen diskutiert wird. Und das wird bald sein.

Follow

Get every new post delivered to your Inbox

Join other followers: