Kirchenaustritte – was nun?

In diesen Tagen ist in der katholischen Kirche – wie auch der evangelischen – guter Rat teuer. Denn erneut sind die Austrittszahlen gestiegen, 216 000 Menschen haben 2018 die katholische Kirche verlassen. Die Zahlen, um 50 000 höher als im Jahr zuvor, sind nach der Selbsteinschätzung der Bischofskonferenz, das Ergebnis von „Entfremdungsprozessen“, „Vertrauensverlust“ und verspielter Glaubwürdigkeit. Das ist schwer aufzuholen.

Umso mehr Hoffnung setzen Bischöfe wie Laien auf den „Synodalen Weg“, mit dem die Katholiken in Deutschland in den nächsten Monaten und Jahren einen Ausweg aus der Lage finden wollen. Denn immerhin: Die Katholiken machen noch fast 28 Prozent der Gesamtbevölkerung aus, das sind mehr als 23 Millionen Menschen. Gesellschaftspolitisch ist das keine Kleinigkeit, und es sind Menschen, die katholisch sind nicht wegen oder trotz schwerer Verfehlungen mancher Vertreter ihres hiesigen Personals, sondern weil sie an die Botschaft Jesu Christi glauben.

Der synodale Weg wird daher für die Geschichte der katholischen Kirche nicht nur in Deutschland ein bedeutender Meilenstein sein. Vorsorglich hat Papst Franziskus geraten, alle Beschlüsse im Interesse der ganzen Weltkirche zu bedenken. Aber klar ist auch: Es muss sich Wesentliches ändern, wenn es besser werden soll. Dazu gehört die Machtfrage: Also auch die Frage nach den Weiheämtern für Frauen, nach der Ehelosigkeit von Priestern, nach der Verteilung der Gelder innerhalb der Kirche.

Jeder weiß, dass die Abschaffung des Zölibats oder ein Priesteramt für Frauen kein Problem endgültig löst, das wäre keine Garantie für einen Wiederanstieg der Zahl von Priestern. Aber es sind Hindernisse auf dem Weg zu den wirklich entscheidenden Fragen der Glaubwürdigkeit der Kirche, zu denen man nur durchdringen kann, wenn diese Steine aus dem Weg geräumt sind. Denn die Perspektiven sind trübe: Die Zahl der Priester sinkt rapide, Nachwuchs ist kaum in Sicht, schon bald stehen die Gläubigen weitgehend ohne Priester da, mit allen Folgen für ein aktives Gottesdienst- und Gemeindeleben, die schon gegenwärtig überall drastisch zu spüren sind. Klar ist: So kann es nicht weitergehen.

„In den Bistümern steht die große Frage obenan, wie wir Menschen eine Lebenshoffnung und Perspektive aus dem Glauben vermitteln und ihnen eine Beheimatung in der Kirche geben können“, sagt der Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer. Beheimatung kann es ohne Glaubwürdigkeit nicht geben. Und glaubwürdig wird die männerdominierte Kirche erst, wenn sie die Diskriminierung der Frauen in ihren Reihen auflöst.

Deshalb sind die Erwartungen an den demnächst beginnenden „synodalen Weg“ auch hoch. Seine Ergebnisse sollten mutig sein. Nicht alles wird sich unmittelbar umsetzen lassen – die Beschlüsse können aber eine signalhafte Wirkung in die Weltkirche haben, in der andere Teile längst auf ein neues „Aggiornamento“, eine Anpassung ihrer Kirche an die gesellschaftliche Wirklichkeit, warten. Also müssen alle zusammenstehen. Nur dann kann es gelingen, die Zerfallsprozesse der Kirche aufzuhalten.

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