Sternsinger – Friedensbringer

Am Dreikönigstag waren sie in vielen Orten der Bundesrepublik zu sehen: Die Sternsinger, die von Haus zu Haus ziehen, um dort den Segen für das Jahr zu ersingen. Wenn dann über den Türen steht: C+M+B 2019, dann haben da nicht etwa „Caspar, Melchior und Balthasar“ ihre Initialen hinterlassen, vielmehr heißt das: „Christus mansionem benedicat“ – Christus segne dieses Haus. Wer weiß schon noch, worauf dieser alte Brauch gründet?

Bekannt ist meist noch, dass die Heiligen Drei Könige keine Könige, sondern Sterndeuter waren, die auf Geheiß des diktatorischen Königs Herodes das Kind finden sollten, für das da über Bethlehem ein Stern aufgegangen war. Herodes fürchtete Konkurrenz. Als die Sterndeuter aber das Kind gefunden hatten, verrieten sie es nicht etwa dem König, sondern sie „fielen nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar. Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land“, heißt es beim Evangelisten Matthäus.

Die Folgen sind bekannt: Josef floh mit Maria und dem Kind nach Ägypten, weil Herodes in seinem Zorn über die Sterndeuter alle Kinder in und um Betlehem im Alter bis zu zwei Jahren töten ließ in der Hoffnung, da werde der „neugeborene König der Juden“ schon dabei sein. Ein blutiger Beginn der Christusgeschichte.

Dennoch: Die Erzählung von den Sterndeutern ist eine gute Geschichte, die sich auf unsere Zeit anwenden lässt. Da werden Menschen zum Verrat ausgesandt, entschließen sich aber, genau diesen Verrat nicht zu begehen. Sie erkennen die heilbringende Perspektive einer Verheißung, einer Idee, einer Vision, sie schätzen die Menschenfreundlichkeit dieser Idee treffend ein, und auch ihr Friedenspotential. Sie stützten nicht eine Diktatur, die Freiheit raubt und zum Machterhalt auch den Mord nicht scheut. Nein, sie werfen sich auf die Seite der Freiheit. Sie sehen Josef, Maria und ihr verheißungsvolles Kind und wünschen: Gott schütze diese Familie.

Es gibt viele Ideen in unserer Welt, die zu ihrem Wirksamwerden solchen Schutz, solche Perspektive, solche Klugheit brauchen. Die Europäische Idee ist eine davon, weil sie auf christlichen Prinzipien beruht, nachzulesen in der Charta der Grundrechte der Europäischen Union: Würde des Menschen, Freiheit, Gleichheit, Solidarität, Bürgerrechte und justizielle Rechte. Das Dreikönigssingen könnte dieses Jahr also eine besondere Bedeutung gehabt haben – als Verteidigung von Menschenrechten und gegen den Nationalismus unserer Zeit. C+M+B könnte gerade im Europawahljahr gut heißen: Christus schütze dieses europäische Haus.

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