Merz und Blackrock – ein Vorteil

In der veröffentlichten Meinung kommen Duelle, Konflikte und Skandale bestens an. Sie wecken Emotionen, und das sorgt für Absatz und Einschaltquote. So war es immer, so lange es Medien gibt, seit der Erfindung des Flugblatts. Im Falle Friedrich Merz ist erneut die erste Reaktion: Gibt es Krach mit Merkel? Hat er irgendwie Dreck am Stecken? Ist es nicht alleine schon skandalös, dass da einer aus der „Hochfinanz“, gar noch einem amerikanischen Vermögensverwalter, in die deutsche Politik will?

Die Antwort: Es ist geradezu erfreulich, wenn sich Politiker mit Wirtschaft und Finanzen wirklich auskennen. Denn an diesem Thema entscheidet sich das Möglichkeitsspektrum jeder Innenpolitik: Sei es im Sozialen, im Kulturellen oder in der Infrastruktur. Immer braucht man dafür Geld, das der Staat erst einmal einnehmen muss über eine florierende Wirtschaft.

Friedrich Merz ist Rechtsanwalt – an juristischem Sachverstand fehlt im Parlament nicht, 152 Juristen sind unter den 709 Bundestagsabgeordneten. 115 Abgeordnete haben Wirtschaftswissenschaften studiert – auch das eine eher beruhigende Zahl, darf man dann doch von einer gewissen Expertise ausgehen. Die hatte Merz schon in seiner Bundestagszeit, aber seine gegenwärtig fünf Aufsichtsratsmandate in großen, teilweise auch international bedeutenden Unternehmen haben sein Verständnis für weltwirtschaftliche Zusammenhänge gewiss ebenso vertieft wie seine beratende Tätigkeit bei der international tätigen Anwaltskanzlei Mayer Brown in Düsseldorf.

Eine Volkswirtschaft, die ins Weltwirtschafts- und -finanzsystem so eingebunden ist wie die Bundesrepublik Deutschland, kann diese Kenntnisse dringend brauchen. Man täte Merz zugleich Unrecht, würde man ihn auf das Thema Wirtschaft und Finanzen reduzieren. Schon als Fraktionschef der CDU/CSU hat er gezeigt, dass er um die Bedeutung der Sozialpolitik weiß, gerade in einer Bundesrepublik, deren einer Teil noch vor 30 Jahren in einer kommunistischen Vollversorgungsmentalität lebte.

Die Aversionen, die in Deutschland mittlerweile gegen „die Wirtschaft“ geschürt werden, sind vollkommen unberechtigt. Fehlverhalten einzelner hat es immer gegeben: Aber 90 Prozent der Unternehmen sind meist familiärer Mittelstand, getragen von Erfindungsreichtum, Arbeitnehmerengagement und Beteiligung der Betriebsräte an unternehmerischen Entscheidungen. Und die Großindustrie ist überwiegend ohnehin mitbestimmungspflichtig und insofern auf innerbetriebliche Demokratie und Gemeinsamkeit zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmern angewiesen.

Diese soziale Marktwirtschaft ist ein weltweit vorbildliches Modell, weshalb sich internationale Vermögensverwalter wie der Merz-Arbeitgeber Blackrock, die große Summen bewegen und beispielsweise auch Pensionsfonds anlegen müssen, gerade auch für Deutschland interessieren. Auch das darf man eher als Auszeichnung begreifen, denn in perspektivlose Unternehmen investiert niemand, der sich auskennt.

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