Lehrermangel? Kein Wunder!

Aus den Geschichten des griechischen Fabeldichters Äsop hat sich in lateinischer Version ein Merksatz überliefert, den jeder Bildungspolitiker eigentlich kennen sollte: „Quidquid agis prudenter agas et respice finem“ – was Du auch tust, handele klug und bedenke das Ende.

Sollten sie ihn wirklich gekannt haben, so haben die meisten von ihnen jedenfalls in der Behandlung des Pädagogen-Standes nicht danach gehandelt. Alle paar Jahre sind ihnen neue ideologiegetriebene Lehrpläne eingefallen, von denen die meisten die Leistungsanforderungen in immer neue Tiefen geschraubt haben. Nicht einmal mehr korrektes Schreiben blieb unverrückbares Ziel, vielmehr räumte man den Grundschülern ein, ihre Rechtschreibregeln und jene der Interpunktion in jeweils eigener Kreativität zu entwickeln.

Das Ergebnis ist bekannt: Die Mehrzahl der Abiturienten weiß kaum, wie man richtig schreibt und wo man ein Komma setzt – ein bildungspolitischer Skandal, ausgetragen auf dem Rücken von Lehrern, deren pädagogische Ambition man so gefesselt hat. Zugleich freilich ist das ein Schaden am Wirtschaftsstandort Deutschland, dessen Unternehmen auf korrektes Schreiben und Rechnen angewiesen sind und die man so zu Reparaturbetrieben eines defizienten Schulsystems gemacht hat.

Zugleich wurden den Lehrern auch in anderer Weise die Pädagogenhände gebunden: Sie mussten nicht nur wider besseres Wissen die Leistungsanforderungen reduzieren, ihnen wurden auch durchgreifende Disziplinarmaßnahmen gegen Schüler verwehrt, die sollen sich schließlich selbstverwirklichen und, soweit Migranten, in ihren kulturellen Gewohnheiten nicht irritiert werden.

Seither tanzen Schüler und Eltern den Lehrern auf dem Kopf herum, müssen sich Lehrer (und nicht Schüler) Disziplinarmaßnahmen gefallen lassen. Und immer: Zu wenige Lehrer, deshalb Stundenausfall und zu große Klassen. Kein Wunder, dass keiner mehr Lust hat, Lehrer zu werden.

Universitätsabsolventen, gleich welcher Fachrichtung, haben ausreichend interessante Alternativen zum Lehrerberuf. Besser bezahlt werden sie dort allermeist auch, denn die nach langem Studium gebotenen Einstiegsgehälter als Lehrer in A 12 liegen nur wenig über 3500 Euro, auch nach langen Dienstjahren sind mehr als 65 000 Euro brutto für einen Lehrer nicht zu erreichen – in Luxemburg gibt es fast doppelt so viel.

Wenn also jetzt ein wirklich drastischer Lehrermangel herrscht, geht es nicht zuerst (aber auch) um Geld: Die Reputation des Lehrerberufs muss wieder angehoben werden, indem man seine Autorität stärkt. Er muss niveauvoll und anspruchsvoll lehren dürfen in einer Schule, in der Leistung kein Schimpfwort ist.

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