Reformen für Afrika

In diesen Jahren versuchen die europäischen Regierungen verzweifelt, der Migrationswelle Herr zu werden, die da über den alten Kontinent hereingebrochen ist. Verstärkung der Grenzen, Verschärfung der Asyl- und Bleiberechtsbedingungen, härterer Durchgriff bei Abschiebungen und strikt formulierte, interessengeleitete Einwanderungsgesetze – das alles sind Maßnahmen, die eher am Symptom als an der Ursache ansetzen und denen deshalb eine gewisse Verzweiflung der handelnden Politiker anzumerken ist.

Tatsächlich ist das Einwanderungsproblem groß. Man kann sagen: Wir haben erst die Vorboten dessen registriert, was da auf Europa noch zukommen mag. Ein paar Zahlen der Vereinten Nationen (UN) können das illustrieren. 1950 lebten im Nahen und Mittleren Osten sowie in Afrika noch 350 Millionen Menschen. Heute sind es 1,8 Milliarden, 2050 werden es 3,6 Milliarden und 2100 gar 5,5 Milliarden sein. Das wäre dann die halbe Menschheit.

Die Bevölkerungsexplosion ist gewaltig, die Armut steigt, und nichts deutet gegenwärtig darauf hin, dass sich das bald ändern könnte. Blickt man auf Deutschland und seine Nachbarn, aber auch nach Asien, so stand am Beginn des Rückgangs der Kinderzahlen pro Frau ein Wandel ihrer gesellschaftlichen Rolle. Sie war nicht mehr nur Heimchen am Herd und berufsmäßig Mutter, ihr wurden vielmehr auch neue Bildungs- und Berufschancen zugestanden. Und so sank beispielsweise in Deutschland die Reproduktionsrate von 5,2 im Jahr 1880 auf gegenwärtig 1,5.

Ein solcher Wandel auch in den Ländern südlich der Sahara ist nicht in Sicht. Das Frauenbild ist noch althergebracht, die Männer achten darauf, dass das so bleibt. Hinzu kommen in der überwiegenden Zahl der Länder Regierungssysteme, die in Korruption und Misswirtschaft, persönlicher Bereicherung und auch islamistisch geprägten Bürgerkriegen befangen sind. Wenige Ausnahmen sind es, die Hoffnung machen – nun gehört auch Äthiopien dazu, das zu einem zentralen Vorbild für Afrika werden könnte. Dort, wie auch in anderen Ländern, gibt es Agrarland und Rohstoffe, die auf Jahrzehnte für alle Menschen Afrikas ausreichen könnten. Man muss sie nur intelligent bewirtschaften.

Für Europa ist die Sache misslich. Eine neue massive Out-of-Africa-Welle, wie es sie in der Weltgeschichte schon mehrfach gegeben hat, würde die Kultur Europas nicht überleben. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt: Die „Fluchtursachen vor Ort“ zu bekämpfen, das hat schon in den letzten 70 Jahren nicht funktioniert, die westliche Entwicklungshilfe darf als weitgehend gescheitert betrachtet werden. Sie war kaum mehr als Hilfe zum Überleben, neue Perspektiven hat sie für die betroffenen Länder nicht erbracht. Und das wird so lange so bleiben, bis man auch in den Ländern südlich Europas und im islamischen Gesellschaftsbild Reformen in Angriff nimmt, die allein der Beginn der Besserung sein können.

Bis dahin ist es Europas gutes Recht, seine Kultur und seine freiheitlichen Lebensformen zu wahren. Restriktive Asylgewährung, schärfere Grenzkontrollen und härteres Durchgreifen mögen nur für ein paar Jahrzehnte wirksam sein, aber es ist Zeit gewonnen, für den notwendigen gesellschaftlichen Wandel in Afrika zu werben.

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