Gehört Ostern zu Deutschland?

Vor allem in den Internet-Medien tauchten in diesen Tagen Artikel auf, in denen erläutert wird, was Ostern überhaupt ist. Das Fest wird erklärungsbedürftig, weil immer mehr junge Menschen kirchenfern aufwachsen, sie nehmen Ostern als Zeit des gesteigerten Konsums wahr, in der die Schoko-Weihnachtsfiguren zu Osterhasen und Schokoladeneiern umgeformt werden und in den Spirituosenregalen der Eierlikör nach vorne gerückt wird.

Dabei ist die Ostergeschichte der Auferstehung des gekreuzigten, gestorbenen und begrabenen Jesu Christi eine großartige Begründung für eine Hoffnung, ohne die eine zukunftsgewandte Gesellschaft nicht leben kann. Sie erzählt uns von einem, der alle Grausamkeiten überwunden hat, der gegen die Lieblosigkeit die Liebe gesetzt hat, der uns sagt: Es bleibt nicht nur eine Idee, auch das Leibliche, auch die Schöpfung wird gerettet werden. Den Jüngern, die auf dem Wege nach Emmaus waren und enttäuscht darüber sprachen, dass dieser Christus eben doch nicht Gottes Sohn war, für den er sich ausgab, weil er sich der Kreuzigung nicht hat entziehen können – denen gesellt er sich zu und zeigt ihnen, dass Wissen alleine keinen Glauben schafft. Glauben aber schafft Hoffnung.

Die Hoffnung für unser konkretes Leben hat Martin Luther so ausgedrückt: Und wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen. Das kann man weiterdenken: Auch wenn wir die Gewalt und die Unterdrückung in der Welt sehen, so müssen wir doch dagegen angehen in der Hoffnung, dass sie eines Tages überwunden werden kann. Die Auferstehung symbolisiert auch die Hoffnung im Nahbereich: Nicht nur weltweite Besserung, sondern die bei unserem Nachbarn, bei den Arbeitslosen, Obdachlosen, Kranken, Migranten, denen zu helfen wir aufgerufen sind. Wir sind es, die aus Verzweiflung Mut machen können. Hoffnung ganz praktisch gewendet: Wir alle investieren in allerlei Anschaffungen und Hausbauten in eine Zukunft, die wir nicht kennen und auf deren positive Wendungen wir hoffen.

Auch hören wir zu Ostern viel vom „Heiligen Geist“: Christen wissen, dass man ihn nicht sehen kann. Aber man kann diesen positiven Geist spüren. Er äußert sich in der Haltung zum Leben, zur Welt, zu den Mitmenschen. Er findet sich wieder in der Liebe, der Freude, der Friedfertigkeit, der Langmut, der Freundlichkeit, der Güte, der Treue, der Sanftmut, der Selbstbeherrschung, in Freiheit und Toleranz. Wir spüren ihn bei Menschen, deren positive Ausstrahlung uns beeindruckt.

In unserer Welt ist es schwieriger geworden, immer dieser gute Mensch zu sein. Aber gerade, wenn es mühsam wird, zeigt sich dieser „gute Geist“. Und ist es nicht so, dass alle Hoffnung, aller Geist, der vom Osterfest ausgeht, notwendige Grundlagen einer freiheitlichen, solidarischen Gesellschaft sind? Ja, Ostern gehört wirklich zu Deutschland.

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