Keiner müsste dürsten

Dass Menschen hungern und dürsten müssen, zählt zu den großen Ungerechtigkeiten unserer Zeit. Das Problem wiegt umso schwerer, als für alle genug da wäre – wenn man mit unseren Nahrungs- und Wasserressourcen nur ideenreich, sparsam und verantwortlich umginge.

Daran aber fehlt es. In Afrika und anderswo herrschen unfähige Regierungen, die eine verlässliche Infrastruktur nicht zustande bringen. Schlimmer noch: Viele sind korrupt, und sie haben das knappe Wasser als private Einnahmequelle entdeckt. Wer genug zahlen kann, bekommt Anschluss.

Dabei geht es nicht nur um das tägliche Quantum Trinkwasser, zwei oder drei Liter pro Kopf. Den größten Wasserdurst haben die Pflanzen, die zur Ernährung der Menschen oder die Erzeugung von Grünfutter für die Viehzucht aufgewendet werden. Für ein Kilo Rindfleisch werden 16 000 Liter Wasser verbraucht, für ein Kilo Weizen immerhin noch 800 Liter. 99 Prozent unserer Wasserressourcen werden von Pflanzen konsumiert. Oder, anders berechnet: Der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser liegt – je nach Fleischhunger – bei 2500 bis 5000 Liter.

Würde man mit dem vorhandenen Wasser sorgfältig umgehen, ließe sich das Problem entschärfen. Gegenwärtig aber laufen 97 Prozent des Regenwassers ungenutzt in die Ozeane. Vorhandene Trinkwasserreserven werden oft durch mangelnde Infrastruktur verschmutzt und dadurch unbrauchbar. Errichtete Brunnenanlagen verfallen mangels Wartung. Beispiel Indien: Dort erzeugen die wichtigsten Städte täglich 38 Milliarden Liter Abwasser, aber nur 30 Prozent davon landen in einer geordneten Kanalisation – der Rest verschmutzt die Umwelt, insbesondere die Flüsse.

Gibt es Hoffnung? Ja, sie liegt vor allem in technologischen Entwicklungen, von denen man früher nur zu träumen wagte. So lassen sich effiziente Meerwasser-Entsalzungsanlagen in großem Stil betreiben, wie es sie bereits in den Vereinigten Arabischen Emiraten oder in Saudi-Arabien gibt, aber beispielsweise auch auf der Nordseeinsel Helgoland, die ihr Trinkwasser aus einer solchen Anlage bezieht. Voraussetzung ist eine ausreichende Energiequelle: Pro Kubikmeter Wasser braucht man eine Kilowattstunde Strom. Wo also durch Wind oder Sonne ausreichend Strom erzeugt werden kann, sind solche Anlagen gut zu betreiben, über Pipelines ließe sich das Wasser weit transportieren.

Nimmt man alles zusammen: Wassersparsamkeit, intelligente Bewässerung, optimierte Regenwassernutzung, strukturiertes Abwasser-Management, Wasserfilterung und Meerwasser-Entsalzung: Die Welt hätte kein Wasserproblem mehr. Das Problem ist also nicht die Technik, sondern die Melange aus Unfähigkeit und Korruption, die weite Teile der Welt leider noch beherrscht.

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