E-Autos – nur mit asiatischen Batterien?

Die Energiewende – von allen Parteien politisch gewollt – ist aus nachvollziehbaren Gründen gut gemeint. Eine stromreiche Welt ohne Atom und Kohle und ohne fossile Brennstoffe – wer wollte das nicht? Zugleich aber ist dieser Energie-U-Turn schlecht gemacht. Es fehlen alternative Erzeugungskapazitäten und Überlandleitungen, und für eine Welt voller Elektroautos sind weder Infrastruktur noch ein interessanter Massenmarkt vorhanden. Vor allem aber sind wir von einer ausgereiften Technologie der Speichermedien, die ihre Produktion und einen Massenmarkt erst möglich machen, noch weit entfernt.

Die Schuld daran tragen wir selbst. Seit Jahrzehnten wissen wir um die Bedeutung von leistungsfähigen Energiespeichern. Wir haben daran geforscht, eher zaghaft – gebaut haben sie andere. Ob für Mobiltelefone oder Computer – die Lithium-Ionen-Speicher entstehen in Asien. In der Forschung übernahmen erst die Japaner, dann die Koreaner die Führung, sie bauten auch große Fertigungskapazitäten auf, bevor diese Technologie nun nach China weiterwanderte. Dort werden gegenwärtig viele Milliarden US-Dollar in Forschungs- und Fertigungskapazitäten investiert , um die aufkommende Elektromobilität zu ermöglichen. Das ist ein gewaltiges Geschäft, denn 40 Prozent der Kosten eines Elektrofahrzeuges entfallen auf die Batterie. Europa hat sich abhängen lassen.

Das Ziel Chinas ist klar: Über Menge und Preis wollen sie alle Konkurrenz vernichten. Groß ist diese Konkurrenz in Europa ohnehin nicht. Ob SAFT in Frankreich, Leclanché in der Schweiz oder EAS Batterien in Deutschland – sie alle erfahren nur schwache öffentliche Förderung in einem Moment, in dem sie solche Unterstützung dringend bräuchten, da der Massenmarkt, der Investitionen rentabel machen könnte, noch nicht sichtbar und politisch ganz ungenügend gefördert wird. Auch hier legen die Chinesen vor: Sie betreiben massive Industriepolitik und subventionieren Produkte der E-Mobilität mit bis zu 50 Prozent.

Die Europäische Kommission und auch die Bundesregierung sind demgegenüber geizig, langsam und bürokratisch. Deshalb wird es auch auf dem Markt der Massenspeicher so kommen wie schon bei der Mikrotechnologie, der Chipherstellung, den Mobiltelefonen, der Computerproduktion oder der Photovoltaik: Wir haben die Ideen, die anderen machen erfolgreiche Produkte daraus, in Asien oder auch in den USA.

Was tun? Notwendig ist ein entschiedenes Bekenntnis zur Industriepolitik in drei entscheidenden Zukunftsbereichen: der Digitalisierung aller Lebensbereiche, der Lithium-Ionen-Speichertechnologie und der zukunftswichtigen Brennstoffzellen, also der Wasserstoff-Technologie. Es gilt, Vorsorge zu treffen für das eigene wirtschaftliche Überleben.

Dass Europa Industriepolitik kann, hat der Aufbau des Airbus-Konzerns bewiesen. Sie kostete anfangs Subventionen, stellt heute aber einen unerlässlichen europäischen Wirtschaftsfaktor dar. Hätten die deutsche, die französische, die britische und die spanische Regierung damals versagt, stünden europäische Fluglinien heute einem Monopolanbieter gegenüber. Genau das gilt es in der Speichertechnologie und beim Wasserstoff zu verhindern. Im Energiebereich ist Industriepolitik Zukunftssicherung.

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