Priestermangel – was tun?

Der Tagesordnungspunkt „Zukunft und Lebensweise des priesterlichen und bischöflichen Dienstes“ – sagte Kardinal Reinhard Marx dieser Tage zum Auftakt der bischöflichen Frühjahrs-Vollversammlung – sei für die katholischen Bischöfe „ein ganz herausforderndes Thema“, dieses Thema „bedrückt uns“.

Dafür gibt es ernsthaften Anlass. Denn die Zahl der Welt- und Diözesanpriester in den 27 deutschen Bistümern ist von 18 700 Anfang 1995 auf weniger als 14 000 zum Beginn des Jahres 2016 gesunken. Art und Umfang der priesterlichen Aufgaben haben freilich zugleich zugenommen. Priester sind überlastet, sie müssen nicht nur Geistlicher und Seelsorger sein mit möglichst viel Zeit für die Gläubigen, sondern auch Manager und Verwaltungsfachmann. Wo früher eine Kirche in der Pfarrei stand, sind es heute im „Pfarrverband“ drei oder mehr, und sie alle wollen „bespielt“ werden, eine normale Erwartungshaltung der Gläubigen – nicht zuletzt als Gegenleistung für die gezahlte Kirchensteuer.

„So geht es nicht weiter“, sagt der Konferenzvorsitzende Kardinal Marx, weshalb man überlegen müsse, was „das Unersetzbare des priesterlichen Dienstes“ und der Kern der „geistlichen Kompetenz“ der Priester seien, von allem anderen müsse man sie entlasten. Über die priesterliche Pflicht zur Ehelosigkeit oder gar andere Berufungsformen wollen die deutschen Bischöfe hingegen nicht reden, denn „das ist nicht unsere Kompetenz“.

Auf welcher Kompetenzebene auch immer – diese Debatte über den Zölibat, über die Berufung von verheirateten Männern oder auch von Frauen zum Priestertum muss kommen. Wirklich schlagende Gründe für das Monopol des männlichen, zölibatär lebenden Priesters gibt es ohnehin nicht. Zudem sinkt die Zahl der Priesteramtskandidaten von Jahr zu Jahr weiter, die Funktionsunfähigkeit des kirchlichen Apparates ist da abzusehen. Man kann nicht warten, bis es so weit ist.

Die Frage ist auch von gesamtgesellschaftlicher Relevanz. Beide großen christlichen Kirchen zusammen beschäftigen 1,2 Millionen Menschen, sie halten das kirchliche Leben nicht nur in Pfarrgemeinden und Verbänden aufrecht, sondern in Caritas, Religionsunterricht und Universitäten, an Kindergärten, Schulen und Krankenhäusern und Akademien und in vielen Formen der Sozialarbeit. Das verpflichtet auch die Katholiken. Die Bischöfe und die Weltkirche sind ihren Gesellschaften also auch in der Priesterfrage zukunftsweisende Antworten schuldig.

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