Brennstoffzelle vor dem Durchbruch

Die zwei Meldungen kamen an einem Tag: „Startschuss für die europäische Batteriezelle“ war die erste überschrieben: Die deutsche und die französische Regierung haben bei der EU beantragt, eine Fabrik für Batteriezellen fördern zu dürfen, die ein Konsortium aus dem französischen Autoproduzenten PSA, seiner deutschen Tochter Opel und dem französischen Batteriehersteller Saft errichten wollen. Für eine solche europäische Fabrik wird es auch hohe Zeit, nachdem sich asiatische Hersteller hier einen fast uneinholbaren Marktvorsprung gesichert haben. Und Abnehmer wird es genug geben: Kleine Autos mit kleinen Radien und geringer Kilometerleistung, also etwa solche nur für den Stadtverkehr, sind mit batterieelektrischem Antrieb gut bedient, weshalb sich VW dem Bekunden nach auf diese Antriebsart fokussieren will.

Anders sieht es bei größeren Fahrzeugen aus mit hohen jährlichen Fahrleistungen, insbesondere im Nutzfahrzeugbereich. Da ist – so zeigen es alle Berechnungen – batteriebetriebe Elektromobilität so gut wie unmöglich. Ein kleiner Zahlenvergleich verdeutlicht das: Ein Lastzug mit 9,5 Tonnen bräuchte für 100 Kilometer die Leistung einer 200 Kilometer schweren Batterie – für 500 Kilometer also das Fünffache. Oder, auf einen kleineren Pkw gerechnet: 100 Kilometer benötigen 100 Kilogramm Batterie – aber nur ein einziges Kilo Wasserstoff aus einer Brennstoffzelle. Dann wird klar: Hier, beim Wasserstoff, liegt die Antriebsart der Zukunft.

Deshalb lässt die zweite Meldung aufhorchen: „Bosch setzt auf die Brennstoffzelle“. Gemeinsam mit dem hier schon erfahrenen schwedischen Hersteller Powercell wird die Brennstoffzellenmobilität von Bosch serienreif entwickelt. Nicht irgendwann, ganz schnell: Bis 2022 soll die Markteinführung zunächst für Lkw gelingen. Bosch sichert sich damit einen weltweiten Marktvorsprung und wird das mit seiner Fähigkeit, Technologien zu skalieren, auch durchsetzen. Nebenbei werden damit auch die noch zu hohen Kosten der Wasserstofftechnologie gesenkt werden. Und für andere Unternehmen, etwa für die Energiekonzerne, wächst der Anreiz, sich in großem Stil in die Wasserstoffproduktion zu begeben. Schließlich wird die Ankündigung von Bosch auch dazu führen, dass ein dichtes Netz an Wasserstoff-Tankstellen entsteht: Auch für den Privatkunden und ihre Pkw wird das interessant. So hat BMW sich bewusst technologieoffen gehalten, auch dort liebäugelt man mit der Brennstoffzelle. Erst, wenn sie durchgesetzt ist – in der Mobilität wie auch in der heimischen Energieversorgung – wird die Energiewende gelungen sein, die gegenwärtig noch mit erheblichen Risiken behaftet ist.

Nicht ohne Grund haben die großen, häufig stark energieabhängigen Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen eben einen „Stresstest“ für die Stromversorgung gefordert, weil sie bei gleichzeitigem Ausstieg aus Kern- und Kohlekraft um die Stromnetz- und Versorgungssicherheit fürchten. Hinzu kommt, dass von den 7700 Kilometern an neuen und auszubauenden Stromtrassen erst 1750 Kilometer genehmigt und davon erst die Hälfte gebaut sind. Das ist ein nicht hinnehmbarer Zustand, der nach außergewöhnlichem politischen Handeln ruft: Infrastruktursicherheit muss rasch und ohne lange Umweltdebatten und Rechtsverfahren gewährleistet werden können.

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