Facebook sponsort die TU München

Facebook hat der Technischen Universität München eben ein neues Forschungsinstitut geschenkt: Für 6,5 Millionen Euro sollen dort künftig ethische Grundsätze bei der Entwicklung künstlicher Intelligenz erforscht werden. Die TU München bringt dafür beste Voraussetzungen mit. Zum einen basiert das Lehrkonzept dort bereits jetzt auf einem „Human Centered Engineering“, also der Einbeziehung von Philosophie, Ethik, Soziologie und Politikwissenschaft in den Lehrplan künftiger Ingenieure. Das ist in einer technisch-wissenschaftlichen Zukunft, die den Menschen Gott spielen lässt, von größter Bedeutung. Zum anderen verfügt die TU bereits seit 2012 über das „Munich Center for Technology in Society“, das Wechselwirkungen zwischen Wissenschaft, Technologie und Gesellschaft verstehen und gestalten will. Dazu passt das Facebook-Institut bestens. Es wird, wie der TU-Wirtschaftsethiker Peter Löscher das formuliert hat, „Leitlinien liefern für die Identifikation und Beantwortung ethischer Fragen der Künstlichen Intelligenz für Gesellschaft, Industrie und Gesetzgeber.“

Natürlich kommen rasch alle Bedenkenträger auf den Plan: Hat sich die TU München nicht ihre wissenschaftliche Unabhängigkeit von Facebook abkaufen lassen? Nein, hat sie nicht. Facebook hat an diese Mittel keinerlei Bedingungen geknüpft, sondern möchte von den frei formulierten Forschungsfragen bzw. -ergebnissen profitieren,, die für jedermann veröffentlicht werden. Das ist völlig legitim.

Der Vorgang verweist auf die Drittmittel insgesamt. Deren Anteil an der Finanzierung deutscher Hochschulen steigt kontinuierlich und beträgt mittlerweile fast ein Viertel des gesamten Etats (medizinische Institutionen herausgerechnet). Größter Drittmittelgeber ist dabei nicht die deutsche Wirtschaft, wie man allgemein vermutet. Vielmehr ist das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), also der Staat, der in seinen verschiedenen Gliederungen ebenfalls Erkenntnisinteressen hat: Etwa in der Sozialwissenschaft, aber auch im Verteidigungsbereich oder den Naturwissenschaften .

Immer aber geht es um die Gewährleistung von Forschungsfreiheit, also um die „Förderung einer autonomen, erkenntnisgeleiteten Forschung, die frei ist von direkten politischen, gesellschaftlichen oder wirtschaftlichen Problemvorgaben und die sich allein aus der Eigenlogik wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse speist.“ Schöner als die Generalsekretärin der DFG kann man das nicht formulieren, und die reichlich vorhandenen wissenschaftlichen Verhaltenskodizes sichern diese Freiheit bei uns ab.

Wenn Industrie und Staat von solcher Auftragsforschung profitieren, so ist das kein Verbrechen, sondern ein erwünschter und dringend notwendiger Effekt. Deutschlands Wirtschaft, aber auch Deutschlands Stellung als Industrieland und politisch entwickeltes Gebilde in der Welt werden nur Bestand haben, wenn sie mit vereinten Kräften, also auch denen des Forschungspotentials deutscher Universitäten, an der Spitze gehalten werden. Insofern muss man der Drittmittelforschung applaudieren – und sie nicht immer wieder mit skeptizistischer Lust ins Zwielicht setzen.

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