Trump und die multipolare Welt

Es wird ein vergeblicher Versuch Angela Merkels gewesen sein, Donald Trump dafür zu interessieren, mit Europa doch noch ein Freihandelsabkommen abzuschließen. TTIP ist dafür nicht nur in Europa, sondern auch in den Vereinigten Staaten zu sehr in Verruf geraten.

Am Welthandel freilich – Trump mag ihn im Wahlkampf noch so sehr verteufelt haben – führt auch für ihn kein Weg vorbei. Unterlegt man eine Weltkarte mit wirtschaftsgeografischen Daten, wird überdeutlich, worum es gegenwärtig geht: Neue Wirtschaftsräume entstehen, und die bedeuten auch politische Macht.

Es bildet sich eine neue Weltordnung heraus. Frühere Schwellenmächte werden zu Großmächten, mit dem technologischen und wirtschaftlichen Aufschwung verbinden China oder auch Indien zunehmend auch außenpolitische Ansprüche. Das stärkt ihre relative Kraft gegenüber den Vereinigten Staaten, und erst recht gegenüber der Europäischen Union. Zugleich bilden sich in der Welt neue Märkte heraus, wachsende Bevölkerungen, deren Bedürfnisse befriedigt werden müssen.

Wenn auch die Weltordnung erkennbar multipolar wird, so wird es ohne „den Westen“ nicht gehen. Das hat zunächst außenpolitische, ja: friedenspolitische Gründe. Denn die entscheidenden Krisenzonen der Welt sind ohne die Vereinigten Staaten sowie Europa und ihre Zusammenarbeit mit Russland oder China nicht zu beruhigen. Das gilt vor allem im Nahen Osten mit seinen Brennpunkten Irak, Syrien, Iran sowie für den Kampf gegen den „Islamischen Staat“. Es gilt für den Maghreb und prospektiv für große Teile Afrikas. Und es gilt auch für den aktuellen Krisenherd rund um Nordkorea.

Wirtschaft und Politik gehen aber Hand in Hand. Keiner dieser Staaten kommt ohne die Vereinigten Staaten oder die EU als Lieferant oder Abnehmer aus. Umgekehrt: Mit Importzöllen schädigt Trump vor allem die eigene Wirtschaft, verteuert deren Produkte, macht sie damit auf den Weltmärkten weniger wettbewerbsfähig. Auch die US-Wirtschaft klagt nicht über die Handelsbeziehungen zur EU, denn sie laufen gut, auch ein Donald Trump wird sie nicht zerstören, sondern allenfalls ausbalancieren wollen. Sie sind finanziell stabilisierend, sie schaffen Arbeitsplätze, sie begründen einen funktionierenden Welthandel. Darauf will niemand verzichten, auch Trump nicht, sollte er einigermaßen bei Sinnen sein.

Allerdings: Die USA und auch Europa machen anderen aufwachsenden Regionen ihre antiwestlichen Gedanken- und Machtspiele gegenwärtig leicht. Präsident Trump beteuert zwar, kein Isolationist zu sein, aber allein die Debatte über die zerstörenden Folgen seiner geplanten Importzölle und die Weigerung, sich zum freien Welthandel zu bekennen, hat viel Vertrauen in der Welt verspielt, auch in Europa. Zu diesem Schaden kommt in Europa der hausgemachte: Die Europäische Union kann sich zu einer politischen Union nicht durchringen und mindert damit Jahr um Jahr ihre relative geopolitische Bedeutung. Im Verbund mit einem aufwachsenden (und auch von außen gern geschürten) latenten Antiamerikanismus droht daraus eine Selbstzerstörung des Westens zu werden, ein Großschaden auch für Amerika. Das kann auch Trump nicht wollen.

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