15. August 2020

Die EZB-Geldschwemme schadet

Die Inflationsrate sinkt weiter, minus 0,2 Prozent zum Vorjahresmonat. Der einzige Grund: Sinkende Energiepreise, die in Jahresfrist um acht Prozent gefallen sind. Das ist für die Verbraucher eine erfreuliche Entwicklung. Diese Zahlenrelation zeigt aber auch: Alle anderen Preise haben sich dem Verfall nicht angeschlossen, vielmehr liegt die um die Energiepreise bereinigte Inflationsrate unverändert im positiven Bereich.

Dennoch hat die EZB die Sorge, die Verbraucher könnten breit auf weiter sinkende Preise spekulieren und sich mit Käufen zurückhalten. Konsum aber braucht die Volkswirtschaft für eine gute Konjunktur, von der im Euro-Raum keine Rede sein kann – Deutschland ist eine Ausnahme im eher trüben Konjunkturmeer..

Deshalb will sie die Geldschwemme und Niedrigzinsen noch forcieren, wenn am 10. März die nächste Zentralbankratssitzung ansteht: Steigende Käufe von Staatsanleihen, noch höhere Strafzinsen für Banken-Einlagen bei der EZB.. Eine gute Idee ist all das nicht. Denn die EZB geht teilweise von unrealistischen Theorien aus.

Schon die Annahme, die Verbraucher zögerten beim Konsum, weil sie auf weiter sinkende Preise hofften, ist an den Haaren herbeigezogen. Das Niveau der Preise ist gegenwärtig im gesamten Euro-Raum so moderat, dass eine solch konsumretardierendes Verhalten unwahrscheinlich ist und von der EZB auch nicht bewiesen werden kann. Wer jetzt etwas braucht und Geld hat, der wird es auch kaufen, alternative Anlageformen gibt es ja kaum noch.

Für jene aber, die kreditfinanzieren wollen, bedeutet der EZB-Kurs Unsicherheit. Investoren werden in Erwartung noch weiter sinkender Zinsen Investitionen aufschieben und die Konjunktur damit weit mehr schädigen, als es die Verbraucher könnten. Das gilt auch für Privatpersonen, die sich etwas auf Kredit anschaffen wollen – ein Haus etwa, Autos oder Haushaltsmaschinen. Sie werden durch die Zinssenkungspolitik der EZB ebenfalls auf weitere Zinssenkungen spekulieren und ihre Käufe verzögern. Damit erreicht die EZB das Gegenteil ihrer Absicht.

Zudem gibt es noch einen gegenläufigen Effekt: Wenn die Finanzierungen immer billiger werden, entstehen vor allem im Immobilienbereich nachgefragter Lagen mit knappen Neubauvolumen Preiserhöhungsspielräume – die Bauherren nutzen ihre Angebotsmacht und kassieren den Zinseffekt, den die Käufer für sich herausgehandelt haben, über steigende Immobilienpreise wieder ein. Das treibt die Immobilien-, aber auch die Mietpreise und wird damit zu einer unsozialen Folge der EZB-Geldschwemme. In Berlin, Hamburg, München oder Stuttgart ist das eindrucksvoll zu besichtigen, wo die Quadratmeterpreise im Erwerb von 1500 €/qm auf 4500 € und mehr gestiegen sind.

Derweil gibt der Kurs des Euro weiter nach. Für exportorientierte Euro-Länder wie Deutschland mag dies eine gute Nachricht sein. Wer aber auf Importe angewiesen ist, hat das Nachsehen. Auch das ist eine Folge der EZB-Geldschwemme.

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