Mein Garten als Rechtssubjekt

Mein Garten ist, wie er so winterlich brach daliegt, ein Biotop. Ich will lieber gar nicht wissen, welche Tiere sich da im Beet und außenherum angesiedelt haben. Es könnte sich um seltene Tierarten handeln. Gut, ein paar Regenwürmer kann ich erkennen, Käfer laufen eilends herum, irgendwas ist los dort. Es hat sich, nach all der sommerlichen Anbauzeit und herbstlichen Ernte, ein neues Gleichgewicht der Natur herausgebildet.

Neue Gleichgewichte aber mögen die Naturschützer unserer Zeit nicht. Sie bestehen darauf, dass es bei den alten Gleichgewichten bleibt. Wenn ich den Garten jetzt umgrabe, kann ich das nur schlechtesten Gewissens tun. Nicht nur hat mich der Papst dringendst ermahnt, die Finger von der Natur zu lassen, auch die ganze grüne Philosophie der letzten zwei Jahrzehnte, in rot-grünen Koalitionen gesetzlich fixiert, hat den Menschen zum Störenfried der Natur gemacht.

Wir Christen kannten das noch anders. Uns war aufgegeben, die Natur zu achten und zu erhalten, sie zu erhalten – aber umformen durften wir sie doch. Pflüget die Erde und machet sie euch untertan, hieß es ja im Buch Genesis, also hat der Bauer genau so gehandelt. Die Menschen haben Wälder gepflanzt, um sie zur „Erntereife“ abzuholzen und daraus allerlei Menschentaugliches herzustellen oder jedenfalls ein Feuer zu machen. Baumeister haben Gebäude errichtet und dafür Steine und Sand abgebaut und Grundstücke überplant, sie der Natur entzogen.

Bauern sind als Naturvernichter verschrien. Waldbesitzer gelten als Asusbeuter, weil sie Böäume zum Verkauf fällen und dabei vielleichgt gar seltene Vögel oder die Gelbbauchunke erschrecken. Die Schifffahrt, heisst es, tut den Meeren Gewalt an.

Tatsächlich haben viele Unternehmen nicht die Nutzung und Umgestaltung der Natur im Sinn, sondern deren Vernichtung. Das hat dazu geführt, dass man die Natur zum Rechtssubjekt erklärt hat, zu unserem Gegenüber. Naturschützer haben aus der dem Menschen anvertraute Natur wieder eine Religion gemacht, ein physiozentrisches Weltbild darum gezimmert. Per Verbandsklagerecht können sie auch noch die vernünftigste Nutzung und Umgestaltung von Natur verhindern.

Jetzt weiß ich nicht, wie ich in meinem Garten weitermachen soll. Umgraben? Das zerstört das ökologische Gleichgewicht, das sich gerade dort eingependelt hat. Demnächst im Frühjahr wieder säen, pflanzen, hacken? Ich könnte einen Regenwurm treffen. Schnecken vernichten? Man traut sich die Folgen gar nicht auszudenken, würde die Naturschutzbehörde davon Wind bekommen. Meine Schnecken sind möglicherweise prioritäre Lebensarten, und was das für meinen Garten bedeutet, weiß jeder, der das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) kennt.

Ein Glück, dass erst einmal Winter ist.

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