Verschlampte Bahn

Nicht das erste Mal ist der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn zusammengekommen, um den Vorstand mit dem Ziel besserer Zeiten zu verändern. Denn die Geschäfte des größten deutschen Verkehrsunternehmens laufen nicht gut, wohin man blickt: Im Fernverkehr nicht, im Personennahverkehr nicht und auch nicht im Güterverkehr.

Für die Malaise, die sich unter dem gegenwärtigen Bahnchef Rüdiger Grube vergrößert hat, präsentieren die Bahnvorstände wechselnde Begründungen: Mal ist die abgedrehte Lokführergewerkschaft schuld, dann ist es die Billigkonkurrenz der Fernbusse, immer ist es die Politik, weil sie die Rahmenbedingungen nicht so setzt, wie die Bahn das gerne hätte.

Wer häufig Bahn fährt, weiß indes, woran es wirklich liegt: Die Bahn ist, nimmt man alles in allem, in einem schlampigen Zustand. Die technischen Ausfälle kennt jeder Gast: Mal funktionieren die Toiletten nicht, dann die Klimaanlage, die Küche ist kaputt oder die Türen lassen sich nicht schließen. Das Zugmaterial – vor allem im IC-Bereich – ist teilweise eine schmuddelige Zumutung,

Das größte Ärgernis freilich sind die Verspätungen im Fernverkehr. Der Kunde tut mittlerweile gut daran, auf Umsteigeverbindungen zu verzichten, weil er sich auf Pünktlichkeit nicht mehr verlassen kann. Das beginnt oft schon am Einsatzort der Züge, die nicht selten „wegen verspäteter Bereitstellung“ unpünktlich starten. Die Begründungen – der leidgeprüfte Kunde kennt sie aus den vielfältigen Lautsprecherdurchsagen – setzen sich fort: Vorausfahrende Züge, Streckenüberlastungen, besetzte Bahnsteige, fehlende Fahrpläne für den Lokführer – alles Vorkommnisse, bei denen die Bahn so tut, als fielen sie einfach vom Himmel, sie gibt sich machtlos, statt sie in den planerischen Griff zu nehmen.

Für das Industrieland Deutschland ist der Zustand der Bahn nicht hinnehmbar. Ehe wir mit Milliarden die Welt sanieren, sollten wir im eigenen Land anfangen und die Infrastruktur, die auch an anderer Stelle vor allem im Westen der Republik verfällt, mit großer Anstrengung auf den neuesten Stand bringen. Dier Bahn braucht rasch weitere Schnellbahnstrecken für den Personen- und auch den Güterverkehr mit zügigen Planungsverfahren, sie braucht mehr erstklassiges Zugmaterial, sie braucht mehr Personal, sie braucht bessere Fachleute in Technik – und vor allem im Management.

Hier freilich sind Spitzenleute, die Erfahrung mit großen technischen Strukturen hätten, nicht in Sicht. Zu sehr ist die Bahn im politischen Griff, als dass sie vor parteipolitischen Begehrlichkeiten bei Personalbesetzungen gefeit wäre. Wenn diese Führungskräfte durch ihre Beziehungen wenigstens das Investitionsproblem der Bahn lösen könnten, indem sie die notwendigen Infrastrukturmittel heranschafften, wäre immerhin diese Kümmernis gemildert.

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