Guttenberg: Rückkehr?

Gegenwärtig wird Karl-Theodor zu Guttenberg keinen Gedanken daran verschwenden, ob und gegebenenfalls wann er wieder in ein öffentliches Amt zurückkehren könnte. Wahrscheinlich ist sogar, dass er nach all dem öffentlichen Druck, dem er schon vor seiner Plagiats-Affäre ausgesetzt war, die Politik künftig als eine Sphäre ansieht, die zerstörerisch wirkt und die man zum Lebensglück nicht braucht. Und die Beobachter, die Menschen im Lande stellen sich die Frage: Könnte, ja: darf so einer zurückkehren, der doch so viele durch sein Handeln enttäuscht hat?


Die Geschichte gibt eine klare Antwort: Ja. Die Namen derer sind Legion, die durch eigene Schuld in Skandale aller Art verstrickt waren und doch mit Tatkraft zurückkehrten – im Politischen von Franz Josef Strauß bis Otto Graf Lambsdorff, im Moralischen von Michel Friedmann bis Margot Käßmann, im Rechtlichen von Klaus Zumwinkel bis, vielleicht, Jörg Kachelmann. Die Liste läßt sich unendlich fortsetzen. Und immer liebt die Öffentlichkeit den Skandal, weil sie sich an ihm aufrichten kann: Als Nutriens für eigene Selbstgewissheit, deren Fassade so lange steht, als keiner daran herumkratzt. Aber sie liebt ihn auch, weil er unterhaltenden Stoff bietet, der in der Regel  Fortsetzungscharakter hat. So wird der Skandal gar zum Medienliebling, zumal in Zeiten, in denen gewichtigere Themen nicht anstehen.


Das Publikum will Stars sehen. Es will beteiligt werden an deren Aufstieg, an all den Schwierigkeiten, Stufe um Stufe nach oben zu nehmen. Und ist einer erst dort angelangt, darf er – wenn er zu sehr glänzt – auch fallen, irgendetwas wird man schon finden, und oft verleitet der eigene Erfolg zur Unachtsamkeit.
Dann ist Reue angesagt, und wiederum kommt das Publikum mit seiner Zuneigung zu Hilfe, es liebt reuige Sünder. Sie müssen sich entschuldigen, müssen entschieden Buße tun, eine gewisse Zeit abstinent sein. Dann erinnert man sich ihrer. Was macht er eigentlich? Die ersten Emissäre werden ausgeschickt, zu prüfen, ob der reuige, gedemütigte Zustand prinzipiell noch vorhanden ist, sich vielleicht mittlerweile sogar mit Selbstironie gepaart hat, also der heiter anmutenden Distanz zu sich selbst als Mischung aus Einsicht und neuem Zukunftsmut.


Dann ruft man ihn zurück. Der reuige Sünder, der wieder gesellschaftsfähig ist, besitzt einen ungleich höheren moralischen Wert als sein naseweiser, vom Leben ungeprüfter Kollege. Er wird nämlich vorsichtiger zu Werke gehen. Er wird anderen gegenüber rücksichtsvoller sein, bescheidener, wird den fehlerhaften Menschen als Normalzustand ansehen, dessen Unperfektion es mit Nachsicht einzuschränken gilt. Er wird, mit einem Wort, menschlicher sein, da jeder Mensch letztlich ein Mängelwesen ist und die Heiligkeit oft nur eine Scheinheiligkeit.


Die Causa Guttenberg wird nicht anders laufen. Der Mann hat seine Fehler gemacht, und er hat sie zugegeben und sich entschuldigt. Er wird eine Auszeit nehmen und sich reanimieren, wird zum Ausgleich all dessen, was er hat geschehen lassen, an anderer Stelle Gutes tun. Man wird ihm verzeihen, und sich dann auf seine Fähigkeiten besinnen, die er fraglos hat. Karl-Theodor zu Guttenberg ist hochintelligent, ein toller, charismatischer Manager, er verfügt über Benimm und Stil, er mag die Menschen und sie mögen ihn, und ihm ist nunmehr nichts Menschliches fremd.


So einer hat gute Chancen auf Rückkehr. Er wird – sollte sein Feld noch einmal die Politik sein – sich in allen Parteien umgeben sehen von anderen Politikern, die diesen Weg des Aufstiegs, des Falls, der Rückkehr und der öffentlichen Skandalisierung schon gegangen sind, und man wird finden: Lasst sie nun machen, das andere ist gebüßter Schnee von gestern.
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